Ein erstes Resumé

Fast 10 Monate sind seit meiner Ankunft in Indien vergangen. Unglaublich! Dabei kommt es mir so vor, als ob ich erst seit kurzem hier bin. Aber wenn ich bedenke, was in dieser Zeit alles geschehen ist, wie viel ich gesehen und gelernt habe, wird mir leider klar, dass mein Jahr erschreckend bald vorüber ist und meine Rückkehr nach Deutschland bevor steht. Längst Zeit für ein erstes Resumé also.

Natürlich freue ich mich darauf, meine Familie und meine Freunde in Deutschland wiederzusehen. Aber nach fast einem Jahr lasse ich hier auch viel zurück. Die Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen und auch die Mitarbeiter, die anderen Volunteers und meine indischen Freunde werde ich sehr vermissen. Der Snehadaan Campus ist zu meinem neuen zu Hause geworden, wenn auch zeitlich befristet. Hier arbeite ich eben nicht nur und habe einen Alltag, sondern ein Leben. “It is not a trip or a vacation. It is a second life.” Ich kann mir nur schwer vorstellen, nach Deutschland zurück zu kommen und plötzlich nur noch deutsch zu sprechen, wo ich doch hier ständig zwischen deutsch und englisch wechsle, natürlich vermischt mit den Wörtern auf kannada und malayalam, die ich bisher gelernt habe. Auch das Essen hier werde ich sehr vermissen. Da unsere Köche aus Kerala stammen, bereiten sie hauptsächlich typisches Essen aus dieser Region zu, aber manchmal auch Spezialitäten aus Karnataka. Auf Reis werde ich allerdings die ersten Monate in Deutschland zunächst verzichten können. Ganz im Gegenteil zu dem typisch indischen Tee, aber zum Glück habe ich mich in Darjeeling mit ausreichend Teeblättern für die Zeit in Deutschland eingedeckt. Wahrscheinlich werden deutsche Gerichte für mich zunächst völlig fad schmecken, da ich hier an das stark gewürzte Essen gewöhnt bin.

Aber auch außerhalb dieser kleinen, gut behüteten Welt unseres Campus, werde ich einiges vermissen:

  • die kleinen Läden an den Straßenecken, wo man Essen, Tee oder auch alles andere für den täglichen Bedarf bekommen kann
  • die unglaublich grenzenlose Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft
  • die Grundeinstellung „sharing is caring“, alles wird selbstverständlich geteilt (meistens fragt man bei Freunden nicht mal nach, sondern kann sich einfach bedienen)
  • die farbenfrohe indische Kleidung
  • Sleeper-Busse oder –Züge, mit denen man an einem Abend losfährt und am nächsten Morgen in einer anderen Stadt ankommt
  • und so vieles mehr…

Die indische Kultur ist so vielseitig, farbenfroh und voller Traditionen mit unzähligen Sprachen und Besonderheiten in jedem einzelnen Staat. Natürlich gibt es auch einige Dinge, die vor allem zu Beginn sehr ungewohnt sind: Stromausfälle, essen mit den Fingern, waschen ohne Waschmaschine, duschen mit einem Eimer, Toiletten ohne Spülung oder „indian stlye“-Toiletten (im Hocken), Verkehr (scheinbar) ohne Regeln und nicht immer funktionierendes Internet.

Hier herrscht eine Arbeitsweise, die mehr beziehungsorientiert ist, ganz im Gegensatz zu unserer deutschen Zielorientierung, wo Zeitdruck und Termine allgegenwärtig sind. Wenn hier Aufgaben nicht rechtzeitig fertig werden, benötigt man eben noch einen weiteren Tag. Der Job ist hier ein Arbeitsplatz, um den Lebensunterhalt zu sichern, aber nicht der Lebensmittelpunkt. Viel wichtiger ist die Familie. Auch Entscheidungen werden oft von der Familie gemeinsam beschlossen, egal, ob es dabei um einen Arbeitsplatz oder den Ehepartner geht.

Ganz besonders ist auch das Verhältnis mancher Inder zu ihrem Mobiltelefon. Wann immer es klingelt, sie werden dran gehen. Egal, ob es mitten in einer Besprechung ist, während sie eine Rede halten oder sogar während der eigenen Hochzeit.

Vieles ist aus unserer europäisch geprägten Sichtweise zunächst ungewöhnlich und unverständlich. Wenn man sich von diesen anfänglichen Schwierigkeiten jedoch frustrieren lässt, verpasst man auch die ganzen wundervollen Seiten Indiens. Ich kann gut nachvollziehen, dass Menschen, die nur für wenige Wochen nach Indien kommen, durch diesen vielen Eindrücke überfordert sind. Man benötigt einige Monate um die Kultur auch nur halbwegs zu verstehen und selbst dann kommt es immer wieder zu überraschenden Situationen.

Bei diesem gesamten Bericht ging es nun natürlich um meine Sicht der Dinge und durch die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe und die Inder, die ich während dieser Zeit kennen gelernt habe. Ich hatte verdammt großes Glück, dass ich im Sneha Care Home gelandet bin und dieses Glück hat selbstverständlich zur positiven Sicht meiner Zeit in Indien beigetragen. Ich kann nicht ausschließen, dass ich in einem anderen Teil Indiens oder in einem anderen Projekt völlig andere Erfahrungen gemacht hätte und sich mein ganzes Bild bezüglich Indien unterschiedlich entwickelt hätte.

Bis vor kurzem war es für mich noch unvorstellbar, dieses Leben hier zu verlassen. Aber nicht nur mein Visum und meine Arbeitsgenehmigung laufen nach einem Jahr ab, auch in Deutschland erwartet mich einiges: Familienfeiern, wie die kirchliche Hochzeit meiner Schwester; das Wiedersehen mit meinem Neffen, der ein Jahr alt wir, generell meine Familie und Freunde wiederzusehen und natürlich muss ich mich erstmal wieder an den deutschen Alltag gewöhnen. Seit ich weiß, wie es in Deutschland für mich weiter gehen wird, ist der Gedanke an meine Rückkehr nicht mehr ganz so schmerzhaft. Ich freue mich auf eine neue Herausforderung, eine neue Stadt, eine neue Umgebung und viele neue Menschen.

Sonne, Hitze und Sommerferien (zumindest für Schüler)

Mitte April war es soweit: Das Schuljahr ging zu Ende und die meisten Kinder sind für die vierwöchigen Sommerferien zu ihren Familien gefahren. Allerdings sind fünf unserer Kinder die gesamte Zeit der Ferien im Sneha Care Home geblieben. Ab etwa April beginnen hier die heißesten Monate, die quasi bis zur Regenzeit im Juli Hitze versprechen. In Bangalore sind glücklicherweise die Sommermonate nicht ganz so heiß wie in anderen Teilen Indiens. Tagsüber liegen die Temperaturen meist um die 35°c, nachts kühlt es etwa auf 28°c herunter. Nach fast 1,5 Jahren nur Sommer, freue ich mich ganz besonders auf den Winter 2015. Auch wenn es hier in Indien nicht nur heiß ist, sondern es auch verschiedene Jahreszeiten (Sommer-Regenzeit-Sommer-Winter) gibt, ist es natürlich nicht mit den Jahreszeiten in Deutschland vergleichbar, denn auch im „Winter“ sinken die Temperaturen hier in Bangalore nur auf etwa 20°c. Natürlich hat der Sommer auch Vorteile: die Mango- und Papaya-Saison hat begonnen 🙂

Während der Sommerferien war ich zusammen mit Christian im Snehagram, wo die meisten Schüler keine Ferien hatten. Bei ihnen standen wichtige staatliche Examen an, für die sie natürlich entsprechend lernen mussten, wobei wir ihnen geholfen haben. Außerdem waren wir noch bei einem „Summer-Camp“ für Kinder aus einem Dorf in der Nähe von Bangalore, dass von Mitarbeitern des Sneha Care Homes durchgeführt wurde. Einen Teil der schulfreien Zeit konnte ich auch dazu verwenden, um mich für Jobs in Deutschland zu bewerben, da ich nach meiner Rückkehr möglichst bald meinen ersten („richtigen“) Job beginnen möchte.

Ein paar Tage haben wir genutzt, um Urlaub zu machen. Unsere Wahl fiel auf Ooty, ein Bergort (2250 m)in Tamil Nadu, der milderes Klima versprach. Dort haben wir u.a. einen riesigen botanischen Garten besucht, in dem das Taj Mahal aus Rosen nachgebildet worden war sowie eine Landkarte von Indien, wobei alle Staaten durch verschiedene Blumen dargestellt waren. Außerdem haben wir eine Fahrt mit dem Nilgiri Mountain Railway unternommen, wobei man eine wundervolle Aussicht auf die Natur und Dörfer in den Bergen hat. Diese Bahn ist eine der ältesten Bergbahnen Indiens, die einzige Zahnradbahn in Indien und ist eine der wenigen von Dampflokomotiven betriebenen Eisenbahnen. 2005 wurde sie von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Blick auf ein Bergdorf

Blick auf ein Bergdorf

Indiens Landkarte aus Blumen

Indiens Landkarte aus Blumen

Der Nilgiri Mountain Railway

Der Nilgiri Mountain Railway

Ein besonderer Besuchermagnet ist der See in Ooty, wo man z.B. Boot fahren kann. Es waren zwar zahlreiche Touristen dort, allerdings nur indische und wir waren die einzigen europäisch aussehenden Besucher. Als wir uns kurz auf eine Wiese am See gesetzt hatten, geschah das, was uns schon häufig in Indien passiert ist: Inder kommen auf uns zu und möchten Fotos mit oder von uns machen. Bei besonders netten oder lustigen Personen/Gruppen bitte ich sie auch ein Foto mit meiner Kamera zu machen, wodurch auch das Foto unten entstanden ist. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, die von Natur aus neugierigen Inder auch einfach auszufragen, wenn sich die Gelegenheit ergibt und sie selbst viele Fragen über mich stellen. Besonders toll ist es dann, wenn sie sagen, dass sie aus Karnataka oder Kerala kommen und ich etwas auf ihrer Muttersprache zu ihnen sage. Im ersten Moment sind die meisten erstaunt, weil sie natürlich nicht damit rechnen, dass ich ihre lokale Sprache „spreche“, aber dann freuen sie sich unglaublich darüber.

Gruppenselfie am See

Gruppenselfie am See

Mitte Juni waren die Sommerferien zu Ende und die Kinder sind wieder aus ihren Heimatdörfern angereist. Nach zwei Tagen der Eingewöhnung haben wir Volunteers (Lena und Julia, die in den Ferien durch Nordindien gereist waren, sind kurz vor den Kindern ins SCH zurückgekommen) jeden Tag Englisch-Unterricht für unsere Kinder gegeben. Hierbei konnten wir etwas ausführlicher auf die Schwerpunkte Lesen und Grammatik eingehen, als es uns die Zeit im normalen Unterricht erlaubt. Außerdem wurde den Kindern mitgeteilt, in welchen Klassen sie im nächsten Schuljahr sein werden und welche Kinder ins Snehagram gehen werden. Insgesamt werden uns neun der ältesten Kinder verlassen, für die im Snehagram ein neuer Abschnitt ihrer Ausbildung beginnt. Dafür werden neue Kinder im Sneha Care Home aufgenommen, sodass die Gesamtzahl der Kinder in etwa wieder 100 beträgt. Am ersten Juli beginnt der reguläre Unterricht wieder, wobei es für Christian und mich dann nur noch wenige Wochen sind, bis unser Abschied vom Sneha Care Home bevorsteht.

Mal etwas ganz anderes…

Des Öfteren habe ich während meiner Zeit in Indien unterwegs Inder gesehen, die T-Shirts mit Sprüchen darauf an hatten. Teilweise sind sie einfach witzig, einige regen zum Nachdenken an und manchmal steckt auch eine traurige Wahrheit dahinter. Hier ein paar meiner persönlichen Highlights:

Share your happiness and burn your garbage. (Wenn sie den zweiten Teil mal nicht zu wörtlich nehmen würden…)

We never really grow up. We only learn how to behave in public.

Life is pain, learn to enjoy it.

Ideas never work. Unless you do.

Life is a onetime offer, use it well.

I was born intelligent, but education ruined me. (Bei dem Schulsystem leider nicht ganz unrealistisch…)

I am not arguing. I simply explain why I am right.

T-Shirt eines Jungen im Sneha Care Home

T-Shirt eines Jungen im Sneha Care Home

Die große Reise in den Norden

Obwohl ich in erster Linie zum Arbeiten nach Indien gekommen bin, habe ich natürlich auch hier Urlaubstage. Von meiner Organisation FSL India aus haben wir offiziell 18 Urlaubstage, die wir innerhalb der 11 Monate frei nutzen können. Allerdings können wir auch an Wochenenden und Feiertagen „vorarbeiten“, wodurch wir zusätzliche Urlaubstage gutgeschrieben bekommen.

Anfang Februar war es dann so weit: Meine große Reise in den Norden begann. Mit meinem vollgepackten Backpack ging es im Sneha Care Home nach einem traurigen Abschied von den Kindern los (Wie soll es nur werden, wenn ich nach Deutschland zurück muss??) zum Flughafen in Bangalore.

First destination: Indiens Hauptstadt DELHI. Am Flughafen in Delhi hat sich dann nach und nach meine „Reisegruppe“ zusammengefunden. Laura ist bereits mit mir zusammen ab Bangalore geflogen, Hendrik kam kurze Zeit später und Lou, die an einem anderen Gate angekommen war, haben wir nach einigen Versuchen auch zu uns gelotst. Dann ging es mit dem Taxi vom Flughafen aus in die Innenstadt von Delhi, wo wir uns zunächst ein Hotel gesucht haben. Am Abend haben wir die Umgebung unseres Hotels erkundet, praktischerweise waren wir direkt im Zentrum einer der vielzähligen Bazare. Zum Abendessen gab es dann verschiedene Leckereien von Straßenständen, die wir ausgetestet und für extrem gut befunden haben. Am nächsten Tag stand das Red Fort, eine der vielen Sehenswürdigkeiten Delhis, auf unserem Plan. Auf dem Weg dorthin haben wir Lea kennen gelernt, die nur einen Tag zuvor aus Deutschland angereist war und mit uns den Rest des Tages unterwegs sein würde.

Red Fort

Red Fort

Das Red Fort besteht aus dicken, roten Sandsteinmauern mit den Türmen und ist seit 2007 als Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt. Nach dem Mittagessen ging es weiter zur Jama Masjid, indiens größter Moschee. Schon von weitem ist das rot-weiße Bauwerk, welches auf einem Hügel steht, sichtbar. Im Innenhof finden bis zu 25.000 Gläubige Platz. Gekrönt wird der Innenhof von drei zwiebelförmigen Kuppeln aus Marmor. Leider dürfen dort keine Bilder gemacht werden, aber immerhin können auch Frauen herein, sobald sie ihren Kopf etwas bedecken.

Mit Kopfbedeckung in die Moschee

Mit Kopfbedeckung in die Moschee

Nach einer kleinen Shoppingtour auf einem der Bazare (Einkaufen benötigt in der Regel immer mehr Zeit, als wir es in Deutschland gewohnt sind. Minutenlang um den Preis verhandeln ist hier ganz normal und bereitet mir mittlerweile sehr viel Spaß), sind wir dann noch mit Lea zusammen in einem der Roof-Top-Restaurants essen gegangen.

An unserem nächsten Tag in Delhi (und auch schon letzten) sind wir nach dem Frühstück los zur Metro-Station. Zu meiner Überraschung war die Metro nicht nur äußerst modern, sondern auch sehr übersichtlich, sodass wir keine Probleme hatten (trotz umsteigen), unseren Weg zu finden. Unser eigentliches Ziel war das Bahai House of Warship oder aufgrund seiner Architektur auch Lotustempel genannt.

Der Lotustempel

Der Lotustempel

Dummerweise hatten wir nicht darauf geachtet, welcher Wochentag es war und ausgerechnet montags hatte der Tempel geschlossen. So konnten wir den Tempel nur von außen bestaunen. Auf unserem Weg kamen wir allerdings auch an einem ISKCON-Tempel vorbei, der nicht nur beeindruckend, sondern auch  geöffnet war. Auf dem Rückweg haben wir noch warme Socken für die Zugfahrt gekauft (in Delhi ist es Anfang Februar noch wesentlich kälter als wir es aus dem Süden Indiens gewohnt waren), ein spätes Mittagessen in der German Bakery eingenommen und sind dann per Metro los zum Bahnhof.

Um 4.00 Uhr morgens kamen wir in der nächsten Stadt an: JAIPUR. Um die Zeit zu überbrücken bis wir auf Hotelsuche gehen konnten, haben wir uns in einem Cafe/Restaurant im Bahnhof niedergelassen und jede Menge Kaffee und Chai getrunken. Nach dem Einchecken im Hotel sind wir richtig Innenstadt gelaufen.

Eines der Stadttore in Jaipur

Eines der Stadttore in Jaipur

Auf dem Weg haben wir ein Indian Coffee House entdeckt, die es in ganz Indien gibt. Hier ist das Essen nicht nur sehr preiswert, sondern auch äußerst lecker. Anschließend haben wir die Old City mit zahlreichen Märkten und Geschäften sowie dem Stadtpalast Hawa Mahal besichtigt. Auf der Straße wurden wir als „Touristen“ ständig angesprochen, was uns durch unseren Schlafmangel nach einiger Zeit genervt hat. Daher haben wir beschlossen, ins Kino zu gehen. Allerdings war das nicht irgendein Kino. Es war das schönste Kino, was ich jemals gesehen habe. Die Eingangshalle erinnert eher an einen Theatersaal oder an den Eingang eines 5 Sterne Hotels, mit unzähligen Kronleuchtern und extrem aufwändiger Einrichtung. Gezeigt wurde ein aktueller Hindi-Film „Dolly Ki Doli“, den wir gut verstanden haben, obwohl niemand von uns (außer ein paar Worten) Hindi spricht und der Film keinen Untertitel hatte.

Am nächsten Morgen hieß es direkt nach dem Frühstück schon wieder Sachen packen, da wir nur eine Nacht in Jaipur eingeplant hatten. Zunächst ging es aber mit einer Rickshaw zum Fort Jaigarh, wo sich nicht nur die größte jemals gebaute bewegliche Kanone auf Rädern befindet, sondern man auch einen atemberaubenden Blick auf ganz Jaipur und Umgebung hat, da das Fort sehr hoch auf einem Berg gelegen ist.

Ausblick vom Fort

Ausblick vom Fort

Während der Fahrt sind uns zahlreiche Kamele begegnet, wofür Rajasthan (der indische Bundesstaat, in dem sich Jaipur befindet) bekannt ist. Außerdem befand sich auch der Jai Mahal Palace, der Wasserpalast, auf unserem Weg. Dieser Palast war die Residenz des letzten Maharajas von Jaipur und wird heute als Hotel betrieben. Der gesamte Palast ist von Wasser umgeben.

Am Fort Jaigarh angekommen, war uns dann auch klar, warum Jaipur auch die pinke Stadt genannt wird: Das Fort besteht aus pinkem (naja, eigentlich eher rosa) Sandstein. Bei dem Fort (wie auch an vielen anderen Orten in Indien) befinden sich viele Affen. Darunter musste leider Hendriks Eis leiden, dass einem der Affen zum Opfer gefallen ist. Wenn man die ersten Male Affen sieht, finden die meisten sie sehr spannend und machen dutzende Fotos von ihnen. Mit der Zeit zeigt sich allerdings, dass man diese scheinbar so niedlichen Tiere mit etwas Vorsicht genießen muss: Wenn sie etwas haben möchten, bekommen sie es meistens auch. In der Regel handelt es sich dabei zum Glück nur um essbares, aber man sollte in ihrer Anwesenheit trotzdem immer gut auf seine Taschen aufpassen. Nach Besichtigung des Forts haben wir unser Gepäck im Hotel abgeholt und sind weiter zum Bahnhof gefahren.

Der Wasserpalast

Der Wasserpalast

Am Abend kamen wir mit etwas Verspätung in AGRA an, unserer dritten Destination. Nachdem wir ein paar Stunden in einem Hotel geschlafen hatten, sind wir morgens früh schon wieder los, um den Sonnenaufgang an einem ganz besonderen Ort zu sehen, dem TAJ MAHAL. Pünktlich zur Öffnung des Ticketschalters standen wir bereit, um unter den ersten Besuchern zu sein, bevor die großen Touristenströme ankommen würden. Bevor man den Taj Mahal jedoch sehen kann, geht man zunächst durch große Gärten und ein Eingangsgebäude hindurch. Doch dann kommt dieses unglaubliche Bauwerk hinter einem zweiten, 18 Hektar großen Garten mit länglichen Wasserbecken im Zentrum in Sicht. Das Taj Mahal ist ein Mausoleum, welches 58 Meter hoch und 56 Meter breit ist und auf einer 100 × 100 Meter großen Marmorplattform errichtet wurde. Der Großmogul Shah Jahan ließ ihn zum Gedenken an seine im Jahre 1631 verstorbene große Liebe Mumtaz Mahal erbauen. Er wurde 1983 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen und zählt zu einem der „neuen sieben Weltwunder“. Durch Harmonie seiner Proportionen und seiner Symmetrie ist es ein atemberaubendes architektonisches „Wunder“ und selbst wenn man direkt davor steht, sieht es doch irgendwie unwirklich aus. Für mich war es definitiv eines der Highlights unserer Reise und ich finde den Besuch absolut empfehlenswert.

Eingangsgebäude zum Taj Mahal

Eingangsgebäude zum Taj Mahal

Wie im Märchen - der Taj Mahal

Wie im Märchen – der Taj Mahal

Der Taj Mahal Express vor dem Taj Mahal

Der Taj Mahal Express vor dem Taj Mahal

Nach einer kurzen „Besichtigung“ des Agra Forts, ging es abends schon wieder zum Bahnhof. Am nächsten Morgen kamen wir in VARANASI an. Varanasi liegt am Ganges und gilt für Hindus als heiligste Stadt. Für strenggläubige Hindus ist es besonders erstrebenswert, in Varanasi im Ganges zu baden und nach dem Tod dort verbrannt zu werden. Ein Bad im Ganges soll von Sünden reinigen, hier verbrannt zu werden, soll zum Ausbruch aus dem ständigen Kreislauf der Wiedergeburt führen. An den Ufern des Ganges befinden sich die Ghats, an denen an manchen Stellen Gläubige im Wasser baden und wenige Meter daneben die Leichen der Verstorbenen verbrannt werden. Die Asche wird anschließend ins Wasser gestreut.

Außerdem gibt es in Varanasi unzählige Tempel und religiöse Stätten, u.a. den Vishwanath-Tempel („Goldenen Tempel“), den auch wir besucht haben. Die ganze Stadt besteht aus kleinen Gassen, in denen man sich leicht verlaufen kann. An einem Abend haben wir eine Bootstour während des Sonnenunterganges auf dem Ganges gemacht, von wo aus wir auch einige religiöse Zeremonien beobachten konnten. Varanasi ist eine sehr beeindruckende Stadt, an der es nicht nur entlang des Ganges viel zu sehen und bestaunen gibt.

Varanasi bei Sonnenuntergang

Varanasi bei Sonnenuntergang

Varanasi vom Wasser aus

Varanasi vom Wasser aus

Die nächste Destination auf unserer Reiseroute war DARJEELING. Da es jedoch keine direkte Busverbindung von Varanasi nach Darjeeling gibt, hatten wir zunächst einen Zwischenstopp in New Jalpaiguri. Dort haben wir auch übernachtet, weil wir den ganzen Tag über Zug gefahren sind und es abends zu spät war, um noch weiter nach Darjeeling zu fahren. Das Zugfahren ist allerdings auch für einen ganzen Tag nicht unbedingt unangenehm. Ständig kommen Verkäufer vorbei, die preiswert Essen und Getränke verkaufen, sodass man nicht Essen für die ganze Fahrt mitnehmen muss. Am nächsten Morgen ging es während einer etwa 3-stündigen Fahrt mit dem Jeep weiter nach Darjeeling. Darjeeling liegt am Fuße des Himalayas auf einer Höhe von 2185 m. Dort wird neben Englisch vor allem Nepali gesprochen, da es nahe an der Grenze zu Nepal liegt. Im Februar liegt dort die durchschnittliche Temperatur bei etwa 11 °C. Dementsprechend war uns sehr kalt, aber nach etwa einem Tag gewöhnt man sich langsam an den Temperaturunterschied. Besonders bekannt ist Darjeeling für seinen hochwertigen Tee, der in die ganze Welt exportiert wird. Schon bei der Fahrt in die Stadt konnten wir die wundervolle Umgebung genießen, die von Teeplantagen beherrscht wird. Obwohl in Darjeeling direkt kein Schnee liegt, hatte ich während unseres Aufenthaltes dort das Gefühl, im Skiurlaub zu sein. Nachdem wir an unserem ersten Tag die Stadt erkundet hatten, hieß es am zweiten Morgen früh aufstehen: Um 4.00 Uhr hat uns ein Taxi abgeholt mit dem wir zum Tiger Hill gefahren sind, um von diesem Berg aus den Sonnenaufgang zu bewundern. Das frühe Aufstehen hat sich auch gelohnt. Auf der einen Seite des Berges konnte man den Sonnenaufgang sehen, während man den Mount Everst im Rücken hatte.

Sonnenaufgang auf dem Tiger Hill mit tibetischen Gebetsfahnen

Sonnenaufgang auf dem Tiger Hill mit tibetischen Gebetsfahnen

Auf dem Rückweg hatten wir noch einen Stopp beim Thupten Sangha Chöling, einem großen tibetischen Kloster, das sehr bunt verziert ist und viele monumentalen Statuen hat. Nach kurzem Ausruhen im Hotel sind wir in den Padmaja Naidu Himalayan Zoological Park, in dem es u. a. rote Pandas und Schneeleoparden gibt. Außerdem befindet sich das Himalayan Mountaineering Institute (ein Museum über den Himalaya und die Bergsteigerei) in diesem Zoo. Am Nachmittag sind wir mit dem Darjeeling Himalayan Railway gefahren, der auch „Toy Train“ genannt wird, da es sich um eine Schmalspurbahn handelt. Noch heute wird diese Bahn von einer Dampflokomotive betrieben und dient eher als Touristenattraktion und weniger zur reinen Fortbewegung.

Wandmalerei des tibetischen Klosters

Wandmalerei des tibetischen Klosters

An unserem letzten Tag in Darjeeling waren wir in einer Bäckerei frühstücken, die u. a. europäische Leckereien wie Zimtschnecken oder Baguette im Angebot hatten. Auch wenn wir uns alle längst an indisches Frühstück gewöhnt haben (meiner Meinung nach ist das die beste Mahlzeit des Tages), ist es trotzdem ab und zu schön, etwas anderes zu essen. Gut gestärkt ging es dann dorthin, wofür Darjeeling bekannt ist: die Teeplantagen. Zunächst sind wir durch die riesigen Plantagen gewandert, anschließend gab es frisch verpackten Tee direkt an der Plantage zum Trinken und auch verpackt zum Mitnehmen. Natürlich haben wir bei dieser Gelegenheit zugeschlagen. Am Nachmittag haben wir uns in einem der vielen Teahouses niedergelassen und sind danach wieder mit dem Jeep nach New Jalpaiguri, von wo aus abends unser Zug ging. Darjeeling war wohl die ruhigste und erholsamste Station unserer Reise. Ein großer Pluspunkt war definitiv das geringe Verkehrsaufkommen und die Tatsache, dass man dort weder angestarrt noch ständig von Verkäufern angesprochen wird.

Ein roter Panda

Ein roter Panda

Werbung für Tee aus Darjeeling

Werbung für Tee aus Darjeeling

Pflücken der Teeblätter ist für Besucher verboten

Pflücken der Teeblätter ist für Besucher verboten

Nun stand bereits die letzte Stadt unserer Reise an: KOLKATA (Kalkutta). Kolkata war das komplette Kontrastprogramm zu Darjeeling und wahrscheinlich genau so, wie man sich Indien vorstellt, bevor man jemals hier war: laut und überfüllt. Dies heißt natürlich nicht, dass es nicht auch dort schöne Plätze gibt. Eine der schönsten Ecken der Stadt ist das Victoria Memorial aus weißem Marmor mit sehr großen, schön gestalteten Gärten und Wasserläufen. Ganz in der Nähe befindet sich die St. Paul’s Cathedral, die definitiv einen Besuch wert ist. Mit Kolkata habe ich persönlich immer Mutter Teresa in Verbindung gebracht. Sie ist eine Ordensschwester mit albanischer Herkunft und indischer Staatsbürgerschaft, die durch ihren Dienst für Arme und Kranke bekannt geworden ist, wofür sie den Friedensnobelpreis erhalten hat. Am 5. September 1997 ist sie in Kolkata gestorben. Das Haus, in dem sie gelebt und gearbeitet hat, wird weiterhin von Ordensschwestern betrieben und zählt zu den Sehenswürdigkeiten in Kolkata. Außerdem gibt es in Kolkata noch viele interessante Kunstmuseen sowie Bazare zum ausgiebigen Shoppen. An unserem dritten Tag in Kolkata stand schon unser Rückflug nach Bangalore bevor.

Das Victoria Memorial

Das Victoria Memorial

Leider gingen diese 14 Urlaubstage viel zu schnell vorbei, besonders da wir so viele Städte in kurzer Zeit auf unserer Reiseroute hatten. Generell unterscheiden sich der Norden und der Süden Indiens stark voneinander: Kultur, Speisen, Menschen und natürlich die Sprachen. Allerdings gleicht in ganz Indien keine Stadt der anderen und an jedem Ort verschiedene Facetten zu erkunden.

Christmas in India

Weihnachten in Indien? Feiert man das überhaupt? Diese Frage wurde mir im Dezember sehr häufig gestellt. Fakt ist, der christliche Gesamtbevölkerungsanteil liegt in Indien bei 2,3 %, was etwa 24 Millionen Einwohnern entspricht (Stand 2001). Im Süden Indiens, vor allem im Bundesstaat Kerala, leben vergleichsweise viele Christen. Trotz des relativ geringen Anteils Christen in ganz Indien, ist der 25. Dezember ein nationaler Feiertag. Da das Sneha Care Home einen katholischen Träger hat, wurde natürlich auch hier bei uns Christi Geburt entsprechend gefeiert und das nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach.

Bei Sonnenschein und tagsüber bis zu 30 °C Außentemperatur war es teilweise schwierig zu realisieren, dass der Sommer längst vorbei ist und Weihnachten vor der Tür steht. Für mich gehört eben zu dieser Jahreszeit auch Kälte und Schnee dazu. Allerdings habe ich mich auch schon so sehr an das Klima hier gewöhnt, dass ich gelegentlich morgens oder abends schon etwas gefroren habe. Abgesehen vom Wetter hatte die Adventszeit sowie das Weihnachtsfest hier überraschende Ähnlichkeit mit meinen Traditionen in Deutschland, sodass trotzdem Weihnachtsstimmung auf kam.

Das erste eindeutige Anzeichen für die Adventszeit waren große Sterne und Lichterketten, die auf dem gesamten Campus verteilt aufgehängt wurden. Bei den Lichterketten war wieder zu erkennen, dass hier vieles farbenfroher als in Deutschland ist. Los gingen die Feierlichkeiten dann am 15. Dezember mit der „Starry Night“. An diesem Abend wurden alle Unterstützer, Sponsoren und Mitarbeiter ins Sneha Care Home eingeladen. Die Kinder haben für diesen Abend wochenlang Tänze und Lieder einstudiert, die sie auf einer großen Bühne vor mehreren Hundert Zuschauern aufführten. Vor dem großen Abendessen kam Santa Claus (alias Julia) vorbei, um jedem Merry Christmas zu wünschen. Allerdings wurde sie an ihrer Stimme von einigen Kindern erkannt. Wir haben natürlich alle vehement bestritten, dass es sich um Julia gehandelt hat, sondern um den richtigen Santa…

Am 17. Dezember stand die Weihnachtsfeier für alle Mitarbeiter des Snehadaan Campus an. Im Vorfeld haben wir schon mit Losen unseren Christmas Friend gezogen, für den wir ein Geschenk besorgen mussten (also wie Wichteln). Nach einigen Tanz- und Gesangseinlagen der Mitarbeiter, musste jeder nach vorne gehen und seinen Christmas Friend aufrufen. Dies hat sich teilweise sehr witzig gestaltet, weil manche Mitarbeiter nicht einfach den Name ihres Friend gesagt haben, sondern die Person beschrieben haben und alle anderen raten mussten. Ausgepackt wurden die Geschenke allerdings nicht an diesem Abend, dies hat jeder später für sich gemacht. Abschluss dieser Feier war ein leckeres Abendessen, bei dem gegrillt wurde (und um dieses Vorurteil auszuräumen: es gab auch Rindfleisch).

Am 19. Dezember war der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien, die bis zum 5. Januar andauerten.

Auch unter den Kindern wurden Christmas Friends gezogen, für die sie kleine Geschenke gebastelt und gemalt haben oder zu denen sie besonders nett waren. Der 23. Dezember hat mit dem Aufstellen des überdimensional großen Weihnachtsbaums begonnen. Dieser bestand aus einem etwa 5 m hohem Metallgestell, um das bunte und glitzernde Folie (ähnlich wie Lametta) sowie Lichterketten gebunden wurden. Auch eine Grippe haben die Kinder gebaut, die vor dem Sneha Care Home aufgestellt wurde. Danach haben wir Geschenke für die Kinder eingepackt, also 98 Geschenke, was uns eine Zeitlang beschäftigt hat. Unter anderem haben alle Kinder neue Monkeycaps bekommen. Monkeycaps sind quasi Mütze und Schal in einem, was die Kinder besonders warm halten soll. Am Abend des 23. fand dann die Weihnachtsfeier für die Kinder statt, bei der sie die Geschenke bekamen und ihre Christmas Friends beschenkt haben.

Am 24. stand dann erneut das Einpacken von 98 Geschenken an. Diesmal waren es allerdings die Geschenke, die die Kinder von uns vier Volunteers bekommen haben. Abends stand die Mitternachtsmesse auf dem Programm. Für diesen Anlass haben Lena, Julia und ich uns natürlich besonders in Schale geworfen: Wir haben alle drei unsere Sarees getragen, den uns eine der Mitarbeiterinnen wieder angezogen hatte. In der Kirche hat uns eine Grippe der etwas anderen Art erwartet: Anstatt einem Stall war die Grippe als Lotusblüte dargestellt (Der Lotus ist die Nationalblume Indiens). Ansonsten war der Gottesdienst so, wie man ihn an Heiligabend auch in Deutschland gewohnt ist. Sogar Silent Night wurde gesungen. Nach der Messe haben noch alle zusammen Weihnachtslieder gesungen und es gab einen Mitternachtssnack im Snehadaan. Aber damit nicht genug: Anschließend sind wir mit den Kindern noch ins Sneha Care Home, wo wir bei lauter Musik getanzt haben, bis schließlich alle gegen 1 Uhr ins Bett gefallen sind (normalerweise gehen die Kinder um 21 Uhr schlafen).

An Weihnachten im Saree

An Weihnachten im Saree

Geschenke, Geschenke, Geschenke

Geschenke, Geschenke, Geschenke

Aufstellen des Weihnachtsbaums

Aufstellen des Weihnachtsbaums

Die Lotus-Grippe und neue Monkeycaps der Kinder

Die Lotus-Grippe und neue Monkeycaps der Kinder

Im Saree vor dem Weihnachtsbaum

Im Saree vor dem Weihnachtsbaum

Der 25. hat für uns mit dem erneuten Anziehen des Sarees begonnen. Nach dem Frühstück ging es wieder zur Messe. Zum Mittagessen haben sich alle Kinder, Mitarbeiter sowie ein paar Patienten im Snehadaan eingefunden. Natürlich gab es auch wieder einen Kuchen, der feierlich von mehreren Personen angeschnitten wurde. Nachmittags haben wir dann noch unsere Geschenke an die Kinder verteilt, womit der Weihnachtsmarathon für uns beendet war.

Natürlich war ich auch etwas traurig darüber, an Weihnachten nicht bei meiner Familie in Deutschland sein zu können. Aber meine indische Familie mit 98 Kindern hat sehr gut dafür gesorgt, dass kein Heimweh aufkommen konnte.

Natürlich war ich auch etwas traurig darüber, an Weihnachten nicht bei meiner Familie in Deutschland sein zu können. Aber meine indische Familie mit 98 Kindern hat sehr gut dafür gesorgt, dass kein Heimweh aufkommen konnte.

Champion in Me

Am letzten November-Wochenende stand das Highlight des Jahres hier im Sneha Care Home stand an: Champion in Me. Hinter diesem mysteriösen Namen steckt ein Wochenende voller künstlerischer und sportlicher Wettkämpfe unserer Sneha Care Kinder gegen HIV-positive SchülerInnen aus anderen Einrichtungen. Dieses Ereignis fand bereits zum 6. Mal und aufgrund des World-HIV/AIDS-Day (1. Dezember) statt.

Bereits zwei Wochen vor dem Sports-Day haben wir ein zusätzliches Throwball-Training am Morgen eingeführt. Die Mädchen hätten am liebsten noch früher damit begonnen und lagen Julia und mir in den Ohren, um endlich zu starten. Das hat auf jeden Fall gezeigt, dass keine von ihnen Langschläferin ist, da wir jeden Morgen um 6.30 Uhr begonnen haben. Nur ein einziges Mal ist es in den zwei Wochen vorgekommen, dass alle zu spät gekommen sind. Dass es bei dieser einmaligen Verspätung meines Throwball-Teams bleiben sollte, habe ich durch eine komplette Laufeinheit sichergestellt. Das fanden sie natürlich nicht besonders lustig, da wir normalerweise nur zum Aufwärmen ein paar Runden laufen, aber anschließend andere Übungen machen und spielen. Nachdem ich ihnen gedroht habe, jedes Mal ein Lauftraining zu absolvieren, sobald sie zu spät kommen, waren alle überpünktlich.

Das Throwball-Training war natürlich nicht die einzige Vorbereitung, die für Champion in Me getroffen werden musste. Alle Mitarbeiter wurden in verschiedene Gremien eingeteilt, denen dann bestimmte organisatorische Aufgaben zukamen. So haben wir u. a. Startnummer für die Kinder zum Anheften hergestellt, Reihenfolgen der Startnummer für jeden Wettbewerb festgelegt, Ablaufpläne geschrieben, Kostüme gebastelt, alle Räume feierlich geschmückt etc.

Mitten in den Vorbereitungen für Champion in Me mussten Christian und ich jedoch aufbrechen, um zu unserem dreitätigen Seminar, der „Quarter Evalution“ von unserer Organisation FSL India, nach Kundapur zu fahren. Dort haben wir die deutschen Freiwilligen getroffen, mit denen wir zusammen im August nach Indien gereist waren. Natürlich hatten wir uns so einiges zu erzählen und haben unsere bisherigen Erfahrungen ausgetauscht. Dazu gab es unter anderem eine Einheit, in der wir innerhalb kleiner Gruppen typisch indische Alltagssituationen nachspielen sollten. Schnell wurde eins klar: Uns alle beschäftig (oder beeindruckt?!) das Busfahren in Indien. Egal, ob es um Mitfahrer im Bus geht, die gerne unsere Lebensgeschichte hören wollen; die unzähligen „Speed Humps“, die jede Fahrt etwas wackelig werden lassen; den Conductor (ein Mann, der im Bus die Tickets verkauft), der manchmal so schnell alle Haltestellen ruft, dass sie kaum verständlich sind; den offenen Türen, damit man auch während der Fahrt noch schnell ein- oder aussteigen kann; oder den Sitzplätzen, die für Männer und Frauen getrennt sind. Busfahren in Indien ist definitiv ein Erlebnis und nicht mit Fahrten in Deutschland zu vergleichen. Jeder, der nach Indien kommt, sollte sich zumindest einmal mit diesem öffentlichen Verkehrsmittel fortbewegen. Es ist nicht nur spannend, was alles während einer Busfahrt passieren kann, man lernt dadurch auch einiges über die indische Kultur.

Als wir am Samstagmorgen aus Kundapur zurückgekehrt sind, ging es gleich mit den Vorbereitungen weiter, da am darauffolgenden Sonntag ein 5 km-Run von uns organisiert wurde. Dies war ein Wohltätigkeits-Run, dessen Startgeld unserem Krankenhaus zu Gute gekommen ist. Neben den etwa 700 Läufern von außerhalb hat auch das Athletik-Team unserer Kinder daran teilgenommen. Die restlichen Kinder haben die Läufer ordentlich angefeuert. Da die kleinsten unserer Läufer keine 5 km zurücklegen sollten, sind wir Freiwillige mit ihnen gelaufen und nach 1,5 km wieder umgekehrt. Nach einem ausgiebigen Frühstück für alle Läufer, stand noch eine Stuntshow mit Motorradfahrern aus Kerala (ein südindischer Staat) an. Am Ende der Show gab es für mich noch einen kleinen Adrenalin-Kick, als ich plötzlich mittendrin statt nur dabei war (siehe Foto). Ein toller Tag, der sehr viel Spaß gemacht hat.

Bilder zum 5 km-Run

Bilder zum 5 km-Run

Stuntshow mit mir

Stuntshow mit mir

In der Woche vor Champion in Me hieß es dann vorbereiten, vorbereiten, vorbereiten. Durch zweifaches Throwball-Training, unterrichten und organisieren waren wir in dieser Woche voll und ganz eingespannt. Ab Freitagmorgen kamen dann nach und nach alle Teilnehmer für das Wochenende. Insgesamt waren es über 400 Kinder plus Betreuer, die aus 13 Zentren Südindiens kamen und alle für diese Zeit bei uns untergekommen sind.

Am Samstag ging es mit dem Arts-Day los. Folgende Wettkämpfe standen auf dem Programm: Group und Solo Song, Group und Solo Dance, Theaterstück, Zeichnen und Rangoli. Bei Rangoli handelt es sich um wunderschöne Muster, die mit farbigem Pulver auf dem Boden aufgetragen werden. Zu den Wettkämpfen wurden die Kinder in die Altersstufen 5 bis 8, 9 bis 12 und 13 bis 16 Jahre eingeteilt. Das Programm hat am Abend mit den Siegerehrungen geendet, bei dem unsere Sneha Care Kinder mehr als ordentlich abgesahnt haben. Wir waren natürlich alle unglaublich stolz auf sie und haben sie bejubelt.

Impressionen vom Arts-Day

Impressionen vom Arts-Day

Am Sonntagmorgen startete das Programm für den Sports-Day. Zunächst waren die Leichtathleten an der Reihe. Je nach Altersklasse hatten die Kinder Wettkämpfe im Laufen über verschiedene Distanzen (60, 100, 200 oder 400 m), Staffel-Läufe, Sackhüpfen und Lemon-Spoon-Race. Am Ende folgte noch ein Lauf für alle Mitarbeiter, welchen Julia (barfuß!) mühelos gewann. Auch unsere Leichtathletik-Kinder konnten viele Preise abräumen, was für eine sehr gute Stimmung sorgte, da damit niemand gerechnet hatte. Nach den Läufen standen Fußball und Throwball an. Leider waren beide Turniere zeitgleich, sodass ich nicht selbst mitverfolgen konnte, wie Christians Fußball-Team einen überragenden ersten Platz für Sneha Care Home eingefahren hat. Aber Mitarbeiter und Kinder wechselten ständig zwischen Fußball- und Throwball-Platz, sodass ich wenigstens über die aktuellen Zwischenstände auf dem Laufenden gehalten wurde. Meine Throwball-Mädels haben sich wirklich sehr gut geschlagen. Allerdings konnten sie im Finale gegen Snehagram (den Zentrum für unsere älteren Kinder) leider nicht gewinnen. Nach einer kurzen Zeit der Enttäuschung waren sie dann auch über den zweiten Platz sehr froh. Dafür hat sich das viele Training auf jeden Fall gelohnt und ich war sehr stolz auf meine „Kleinen“.

Das Throwball-Team

Das Throwball-Team

Wenn man hört, dass die Kinder HIV-positiv sind, bekommt man wahrscheinlich zunächst einen falschen Eindruck. Wer glaubt, dass diese Kinder in irgendeiner Form krank oder schwach erscheinen, der sollte bei so einem Wochenende dabei sein. Es war unglaublich, wie viel Energie, Ehrgeiz, Leistung, Motivation und Zielstrebigkeit jedes einzelne Kind gezeigt hat. Aber nicht nur das: Sie haben vor allem gezeigt, wie sich auch scheinbare Konkurrenten gegenseitig anfeuern und Tipps geben können. Konkurrenzverhalten und Neid war hier fehl am Platz. Solch eine harmonische Atmosphäre habe ich in dieser Form noch nie erlebt. Auch wenn ein Kind selbst nicht unter den ersten Drei war, sie haben sich für alle gefreut, egal, ob die Gewinner aus dem eigenen Zentrum kamen oder einem anderen. Die meisten der Kinder kannten sich vorher noch nicht, aber das hat niemanden gestört. Sie haben sich alle gegenseitig unterstützt und geholfen, wo es nur ging.

Jeder wird angefeuert und bejubelt

Jeder wird angefeuert und bejubelt

Am Sonntagabend, nachdem die Siegerehrungen vorüber waren, gab es noch einen wichtigen Termin, der nichts mit Champion in Me zu tun hatte. In der Stadt fand ein großes Konzert für den World-HIV/AIDS-Day statt. Christian und ich hatten im Vorfeld die Aufgabe bekomme, eine Rede über unsere Erfahrungen im Sneha Care Home zu schreiben. Diese haben wir zu Beginn des Konzerts vor den etwa 3.000 Gästen vorgetragen, was ziemlich aufregend war, aber zum Glück problemlos geklappt hat. Obwohl wir als MIP (Most Important Person) zusammen mit Lena und Julia ganz vorne vor der Bühne in bequemen Ledersofas saßen, haben wir vom Konzert kaum etwas mitbekommen. Nach diesem Wochenende und auch den langen Vorbereitungstagen zuvor, waren wir viel zu müde um das Konzert genießen zu können.

Birthday Indian Style

Am 13. November war es wieder soweit: Ich bin ein Jahr älter geworden. Schon einige Tage zuvor waren die Kinder ganz aufgeregt und haben jeden Morgen beim Yoga die Tage bis zu meinem Geburtstag gezählt. Besonders spannend fanden sie die Frage, was ich besonderes für meinen großen Tag anziehen würde. Wenn eines der Kinder Geburtstag hat, darf er/sie auf die Schuluniform verzichten und sich etwas anderes zum Anziehen aussuchen. Dadurch sieht man morgens direkt, wer Geburtstag hat (was für alle Mitarbeiter ganz praktisch ist). Außerdem gibt es in unserer Dining Hall noch eine Tafel mit den Geburtstagskindern des Monats. Deshalb wusste ich bereits im Vorfeld, dass es noch zwei weitere Geburtstagskinder am 13. November geben wird.

Mein Tag hat relativ früh begonnen, da um 6.30 Uhr der erste Besuch vor der Tür stand. Es war Manjula, eine der Caretakerinnen des Sneha Care Home (von den Kindern Aunty, also Tante, genannt). Manjula kam aber nicht vorbei, um mir zu gratulieren, sondern um mich anzuziehen. Ja, mit meinen nun 26 Jahren muss ich mich tatsächlich noch wie ein Kleinkind anziehen lassen. Aber das hatte natürlich einen besonderen Grund: meinen Saree. Ganz pünktlich am Abend zuvor ist meine Saree-Bluse fertig geworden, die von einer Schneiderin genäht wurde. Der Saree muss auf eine spezielle Weise gefaltet und gebunden werden, damit die einzelnen Falten richtig fallen. Ich war sehr froh, dass Manjula zu Hilfe kam, da ich alleine sicherlich verzweifelt wäre. Fertig angezogen und mit indisichen Accessoires beschmückt ging es zur Morgenmesse. Dort gehen alle Geburtstagskinder hin, um für ihr neues Lebensjahr gesegnet zu werden. Auch Christian, Julia und Lena habe ich überzeugen können, mich zu begleiten. Aber für sie hat es sich ebenfalls gelohnt, da wir anschließend von den Fathern (Priestern) zum ausgiebigen Frühstücken bei ihnen eingeladen wurden. Und so bekam ich dann auch zu meinem Geburtstag Kaffee zum Frühstück (beim Frühstück mit den Kindern gibt es immer Tea, also Chai).

Mein Geburtstags-Saree

Mein Geburtstags-Saree

Nach dem Frühstück mussten wir auch schon los zur Schule, da ich zur School Assembly auf keinen Fall zu spät kommen wollte. Natürlich kamen die Kinder gleich auf mich zugestürmt, haben mir alle gratuliert und meinen Saree bestaunt. Auch die Mitarbeiter waren begeistert, dass ich mich in einen Saree „gewagt“ habe. Am Ende der School Assembly wurde dann für mich und die beiden anderen Geburtstagskinder von allen Kindern plus Mitarbeitern gesungen. In der Tea-Break habe ich für die Mitarbeiter deutsche Schokolade mitgebracht, die Kinder haben beim Afternoon-Tea etwas Süßes bekommen.

Während wir gerade beim Mittagessen waren, kam Francis (einer der Betreuer) und hat uns unter einem Vorbehalt gesagt, dass wir alle ganz dringend raus gehen sollten. Draußen haben schon die restlichen Mitarbeiter gewartet. Zunächst wusste keiner was los war, bis eine Torte hereingetragen wurde. Besonders witzig an der Torte war der (fehlerfreie!) deutsche Geburtstagsgruß. Nach einer kurzen Rede von Father Vince (dem Leiter des SCH), wurde nochmal gesungen und zusammen mit den beiden kleinen Geburtstagskindern habe ich die Torte angeschnitten.

Meine Geburtstagstorte

Meine Geburtstagstorte

Anschneiden der Torte

Anschneiden der Torte

Leider hat das Internet im SCH schon einige Tage zuvor nicht funktioniert, was sich auch an meinem Geburtstag nicht geändert hat. Glücklicherweise hat mir einer der Father aus dem Snehadaan (dem Krankenhaus auf unserem Campus) Zugang zu seinem Internet gegeben, sodass ich zumindest mit meiner Familie skypen konnte.

Ich habe definitiv noch nie so viele Glückwünsche an meinem Geburtstag erhalten. Einige der fast 100 Kinder haben mir mindestens 3- bis 4-mal gratuliert. Auch aus der Heimat haben mich natürlich viele Glückwünsche (und Geschenke) erreicht, über die ich mich sehr gefreut habe. Mit so vielen Kindern und allen anderen tollen Menschen um mich herum, ist es mir zum Glück nicht so schwer gefallen, dass ich nicht mit meiner Familie und meinen Freunden feiern konnte.

Exams, Ferien und Ausflüge

Vor ein paar Wochen standen bei unseren Schülern die ersten Exams an, seitdem wir hier sind. Es gab sowohl mündliche als auch schriftliche Klausuren und wir haben fleißig mitgeprüft. Schon in der vorherigen Woche waren die Schüler sehr fleißig am (auswendig-)lernen und wir haben sie außerhalb der Unterrichtszeiten abgefragt. Nach den Prüfungen hatten die Kinder zwei Wochen Ferien. Die meisten wurden von Familienangehörigen abgeholt, aber 12 Kinder waren auch über die Ferien im Sneha Care Home.

Sonnenaufgang am Gateway of India

Sonnenaufgang am Gateway of India

Elephanta Caves

Elephanta Caves

Beim Dreh des Bollywood Movies

Beim Dreh des Bollywood-Movies

Lena, Julia, Christian und ich haben diese Zeit genutzt, um uns zum ersten Mal ein paar Tage frei zu nehmen. Nach einer fast 20-stündigen Busfahrt haben wir Mumbai erreicht. Die Stadt hat viel zu bieten. Eines der Höhepunkte war definitiv Elephanta Island, eine kleine Insel, die man mit einer Fähre ab dem Gateway of India erreicht. Nach einem steilen Aufstieg kann man eines der vielen Weltkulturerben Indiens, die Elephanta Caves, besichtigen. Dies sind Höhlen mit in Felsen gehauenen Statuen von hinduistischen Göttern, die extrem gut erhalten geblieben sind. Auch die Landschaft der Insel ist beeindruckend, obwohl wenn man an den Stränden besser nicht baden sollte. Ein weiteres Highlight war der Dreh eines Bollywood-Movies. Wir wurden angesprochen, ob wir Lust hätte, als Statisten mitzuspielen. Natürlich haben wir ja gesagt. Die Szenen des Films sollen in einem europäischen Club spielen, deshalb haben wir im Hintergrund getanzt. Schon Ende November wird der Film in den indischen Kinos anlaufen und ich bin sehr gespannt, was dort von uns zu sehen sein wird.

Nach unserem Urlaub waren Christian und ich nur für zwei Nächte im Sneha Care Home. Da unsere Schüler noch Ferien hatten, fuhren wir ins Snehagram (dem Care Home für die älteren Schüler). Die Schüler hatten zwar auch noch Ferien, allerdings ist von ihnen niemand nach Hause gefahren. Christian sollte vor allem Fußball-Training für die Jungs geben. Ich habe mit den Mädchen Throwball gespielt und ihnen Handball beigebracht. Ich hätte nicht gedacht, dass sie es so schnell lernen würden. Aber es hat gut funktioniert und wir hatten alle sehr viel Spaß dabei. Außerdem habe ich allen Schülern Nutrition Classes gegeben. Dabei haben wir sowohl Ernährung als auch Hygiene und Gesundheit thematisiert. Die Schüler nehmen diese Themen besonders ernst, weil sie wissen, dass sich vieles auf ihre HIV-Infektion auswirkt.

Handball im Snehagram

Handball im Snehagram

An Wochenenden treffe ich mich ab und zu mit anderen Volunteers von AFS Germany bzw. FSL India. Nur wenige von uns haben ein Projekt in Bangalore, deswegen stehen manchmal kleine Wochenend-Ausflüge an. Zusammen mit Christian habe ich die Volunteers in Mysore besucht. Mysore ist eine sehr schöne Stadt und nur 3 Busstunden von Bangalore entfernt. Sehenswert sind dort vor allem der Mysore Palace und die farbenfrohen Märkte.

Farbenfroher Markt in Mysore

Farbenfroher Markt in Mysore

Elefant beim Mysore Palace

Elefant beim Mysore Palace

An einem anderen Wochenende hatten wir ein großes Treffen in Bangalore. Unter anderem waren wir im Goethe-Institut essen. Dort gab es zur Abwechslung deutsche bzw. europäische Küche. Lou und ich haben uns nach dem Essen noch warmen Apfelkuchen und Kaffee gegönnt. Ansonsten habe ich hier erst sehr selten Kaffee getrunken, wir werden schließlich ständig mit leckerem indischem Tee verwöhnt.

Luisa und ich im Goethe-Institut

Luisa und ich im Goethe-Institut

Über Schulalltag, Kuchen und andere Köstlichkeiten

Mittlerweile sind schon fast zwei Monate vergangen, seitdem ich aus Deutschland abgereist bin und die Zeit vergeht wie im Flug. Ich habe mich in meinem Projekt schon gut eingelebt und fühle mich hier sehr wohl. Wir vier Volunteers sind nun im Stundenplan der Schüler fest eingeteilt und unterrichten teilsweise zu zweit, aber auch alleine. Unser Unterrichtsfach heißt „Communicative English“, wobei wir durch unterschiedliche Methoden angepasst an das Level unserer Schüler Englisch vermitteln. Eine Besonderheit in unserer Schule ist es, dass die Schüler nicht nach Alter bzw. Jahrgang in Klassen eingeteilt sind, sondern anhand ihres Wissenstandes.

Brief zum teachers' day

Brief zum teachers‘ day

Anfang September war in ganz Indien „Teachers‘ day“, den auch wir gefeiert haben. Dafür haben die Kinder schon einige Tage zuvor einiges vorbereitet. Sie hatten Klassenräume und das Schulgelände geschmückt und mit vielen netten Zitaten über Lehrer versehen. An diesem Tag fand kein Unterricht statt und die Schüler hatten das Sagen. Zunächst haben sie gesungen, getanzt und sogar Reden gehalten, in denen sie sich bei den Lehrern für alles bedankten. Sogar Geschenke und Briefe haben wir bekommen. Anschließend waren dann wir Lehrer an der Reihe: Die Schüler hatten sich verschiedene Spiele für uns ausgedacht. Beispielsweise mussten wir Luftballons zertreten, die bei anderen am Fuß festgebunden waren, während wir unseren eigenen Ballon schützen mussten. Bei einem anderen Spiel mussten wir mit verbundenen Augen einen Bindi auf ein gezeichnetes Frauengesicht kleben (also möglichst mittig zwischen die Augenbrauen). Nicht nur die Kinder hatten an diesem Tag sehr viel Spaß, auch für alle Lehrer war es wunderbarer Tag.

Beim Throwball (dem Sport der Mädchen) bin ich nun die Trainerin. Wenn alle Mädchen beim Training erscheinen, sind es etwa 25 Spielerinnen. Dabei kann es hin und wieder ziemlich chaotisch zugehen, aber trotzdem ist es für mich die beste Zeit des Tages 🙂 Seit ich hier bin, hatten wir auch schon zwei Turniere: das erste war nur schulintern, das zweite war gegen die Mädchen-Mannschaft von Snehagram. Snehagram ist quasi die weiterführende Schule bzw. das weiterführende Care Home von meinem Projekt und gehört dem gleichen Träger an. Wenn die Kinder in meinem Projekt also etwa 14 Jahre alt sind, kommen sie ins Snehagram. Dies befindet sich etwa 60 km entfernt im Bundesstaat Tamil Nadu. Ein paar unserer Kinder haben dort Geschwister, wodurch es natürlich besonders schön für sie war, als wir zum Throwball-Spiel ins Snehagram gefahren sind.

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Kuchen für die birthday celebration

Am Ende eines jeden Monats gibt es hier eine große Geburtstagsfeier, für alle Kinder, die in diesem Monat Geburtstag hatten. Die Kinder führen dann selbst ausgedachte und eingeübte Tänze und kleine Theaterstücke auf, es gibt eine Geburtstagstorte und am Ende tanzen alle zusammen zu lauter Musik (was definitiv an Bollywood-Filme erinnert). Am eigentlichen Geburtstag bekommt das Geburtstagskind morgens während der School Assembly ein Ständchen von den anderen Schülern gesungen und später verteilt es an alle anderen Kindern Süßigkeiten. Neulich gab es beim Abendessen auch eine riesige Torte, obwohl keines unserer Kinder Geburtstag hatte. Der Grund: Ein Kind kam mit seinen Eltern an diesem Tag zu Besuch vorbei. Die Familie hatte Kuchen mitgebracht, weil deren Kind Geburtstag hatte und sie auch anderen Kindern mit dem Kuchen eine Freude machen wollten. Etwas Ähnliches ist uns auch in einem Restaurant passiert: Ein Mädchen hat dort ihren 11. Geburtstag gefeiert. Ihren Geburtstagskuchen hat sie auf kleine Teller verteilt und an jeden Tisch des Restaurants gebracht. Dies sind nur Beispiele durch die indische Lebenseinstellung „Sharing is caring“ ausgedrückt wird. Vor allem beim Essen teilen Inder sehr großzügig mit allen, auch wenn sie die anderen Personen nicht mal kennen.

Onam

Mandala aus Blüten

Onam ist ein Feiertag, welcher Anfang September in Kerala gefeiert wird (Kerala ist der südliche Nachbarstaat von Karnataka). Da viele unserer Mitarbeiter ursprünglich aus Kerala stammen, haben auch wir Onam zelebriert. Schon am Tag zuvor haben die Kinder riesige Mandalas aus Blüten gelegt, was für Onam typisch ist. Der Tag begann mit einer Messe auf Malayalam (der Hauptsprache in Kerala), wodurch wir nichts verstehen konnten (wie auch die Mitarbeiter aus Karnataka). Anschließend gab es ein Programm mit verschiedenen Spielen, sowohl für die Kinder als auch alle Erwachsene. Zu diesem Anlass kamen auch viele Besucher zu uns ins Snehadaan, u.a. auch Nonnen aus Thailand. Absolutes Highlight an diesem Tag war das Mittagessen: Auf einem Bananenblatt wurden 15 (!) verschiedene Speisen serviert und jede davon war sehr köstlich.

Bananenblatt mit Speisen

Bananenblatt mit Speisen

Apropos köstlich…Zum Schluss möchte ich noch auf ein Thema eingehen, worauf ich bereits häufig angesprochen wurde: das Essen. Ja, es ist scharf und ja, es gibt häufig Reis. Bisher hatte ich glücklicherweise keinerlei Probleme mit der Schärfe. Während dem Essen nimmt man meist gar nicht war, wie scharf es ist. Man merkt es erst anschließend, wenn der Mund plötzlich anfängt zu brennen. In Südindien (anders als im Norden) ist Reis das Hauptnahrungsmittel. Teilweise gibt es zu allen drei Mahlzeiten Reis. In meinem Projekt bekommen wir dazu in der Regel Samba (eine Sauce mit verschiedenen und wechselnden Gemüsesorten), Gemüse und beim Mittagessen zusätzlich Eier, Fisch oder Fleisch. Der Konsum von Fisch und Fleisch ist hier keineswegs selbstverständlich, da diese Nahrungsmittel sehr teuer sind. Durch die HIV-Erkrankung der Kinder wird allerdings besonders auf ihre Gesundheit und somit auch auf ihre Ernährung geachtet. Zu Beginn war es für mich vor allem beim Frühstück gewöhnungsbedürftig, dass das Essen es warm und scharf ist. In der Zwischenzeit habe ich mich aber so sehr daran gewöhnt, dass ich mich während des Yogas auf das warme Frühstück freue. Anschließend gibt es immer Chai (schwarzer Tee mit viel Milch und noch mehr Zucker), der definitiv süchtig macht. Sonntags gibt es traditionell Brot (Weißbrot), Marmelade und Frühstückseier zum Frühstück. Zum Nachtisch oder Zwischendurch gibt es saisonales Obst und jede Menge Kekse. Als wir gerade ins Projekt kamen, war noch Mango-Saison. Diese ist nun (leider) vorbei, dafür gibt es jetzt Melonen und Papaya. Auch Bananen gibt es oft. Alles in allem bin ich mit dem Essen hier sehr zufrieden 🙂

Ankunft im Projekt – mein neues Zuhause

Als wir (Christian, ein anderer deutscher Volunteer und ich) in unserem Projekt ankamen, wurden wir sofort von den ersten Kindern empfangen. Sie waren natürlich sehr neugierig und fragten uns nach unseren Namen, woher wir kommen und wie lange wir bleiben werden. Nachdem wir auch von den anwesenden Mitarbeitern begrüßt wurden, packten wir erstmal aus. Wir haben beide ein eigenes Zimmer mit Bad, worüber wir uns sehr gefreut haben.

Aber zunächst zu dem Projekt: Es heißt Sneha Care Home und befindet sich am Stadtrand von Bangalore (bzw. Bangaluru). Es liegt daher etwas von der doch sehr hektischen Innenstadt entfernt, aber die Busanbindung ist sehr gut. Sneha Care Home ist ein Heim für HIV-infizierte Kinder von 4 bis 14 Jahren. Zurzeit leben 98 Kinder hier. Zu dem Heim gehört die Shining Star School, wo alle Kinder unterrichtet werden. Beides ist umgeben von einem großen und sehr grün angelegten Campus mit viel Platz für die Kinder zum Spielen (u.a. gibt es ein Fußball- und ein Volleyballfeld). Auf dem Campus befinden sich außerdem noch die Unterkünfte der Mitarbeiter (auch unsere) und etwas weiter weg ist noch ein Krankenhaus („Snehadaan“) für HIV-infizierte sowie Tuberkulose-Patienten. Im Krankenhaus befindet sich auch eine Kapelle, die groß genug für alle Kinder, Mitarbeiter sowie weitere Besucher ist. Dort findet jeden Sonntag die Messe statt, da das Sneha Care Home einen katholischen Träger hat.

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Eines der Häuser in meinem Projekt

An unserem ersten Tag haben wir mit den kleinsten Kindern einen Ausflug zum botanischen Garten in Bangalore („Lalbagh Botanical Garden“) gemacht. Dort waren u.a. Elefanten und ein ganzer Palast mit Rosen nachgebildet. Nicht nur die Kinder waren überwältigt von dem Anblick. Die kleinsten können zwar noch nicht so gut englisch sprechen wie die älteren, aber es ist trotzdem leicht mit ihnen zu kommunizieren. Die meisten von ihnen sind sehr mitteilungsbedürftig und wollen am liebsten unsere ungeteilte Aufmerksam bekommen.

Elefanten aus Rosen

Elefanten aus Rosen

Am 15. August ist Feiertag in Indien: Independence Day! Zur Feier des Tages kamen einige Besucher ins Sneha Care und die Kinder führten einstudierte Tänze vor und sangen Lieder. Während der feierlichen Zeremonie wurde die indische Flagge gehisst. Auch das Essen war an diesem Tag ganz speziell.

Letzte Wochen kamen noch zwei weitere Volunteers aus Deutschland in unser Projekt: Julia und Lena. Sie sind allerdings nicht mit unserer Entsendeorganisation AFS bzw. FLS India hier.

Bisher sieht unser Alltag folgendermaßen aus: Der Tag beginnt mit Yoga in den einzelnen Klassen. Hier machen die älteren Kinder die Übungen vor und die anderen machen sie nach. Nach dem Frühstück beginnt der Unterricht. Zunächst 4 Unterrichtsstunden, dann gibt es Mittagessen. Wir bekommen anschließend Kannada-Unterricht, die lokale Sprache hier im Staat Karnataka. Der Unterricht ist wichtig für uns, damit wir auch mit den jüngeren Kindern im Unterricht gut kommunizieren können, falls sie englische Worte nicht verstehen. Generell ist jedoch Englisch die Unterrichtssprache. Nachmittags geht es für uns mit Sport weiter: Die Kinder sind in verschiedene Sportkurse eingeteilt, die wir leiten. Ich habe den Strohball-Kurs (ähnlich wie Volleyball) übernommen. Es macht super viel Spaß mit den Mädchen (Strohball spielen hier nur die Mädchen) zu spielen und sie sind sehr motiviert bei der Sache. Abends helfen wir den Kindern noch bei ihren Hausaufgaben, lesen mit ihnen oder lernen für Klausuren.

An den beiden Wochenenden, die wir bisher in Bangalore waren, haben wir ein bisschen die Umgebung erkundet und waren einkaufen. Immerhin benötigen wir für den Unterricht traditionelle indische Kleidung. Für uns Mädels heißt das Kurta mit Leggings. Sehr bequem und auch ganz schick.

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Eine meiner Kurtas

Letztes Wochenende war Cindy, eine Freundin von mir aus Gießen, mit ihrem Freund Daniel zu Besuch in Bangalore. Sie sind gerade auf Rundreise durch Indien und haben hier für ein paar Tage Zwischenstopp gemacht. Mit den beiden war ich zunächst etwas shoppen, dann haben wir eine Fahrt durch „Electronic City“ gemacht. Das ist der Teil von Bangalore, wo die meisten IT-Sitze von internationalen Firmen lokalisiert sind. Ein großer Kontrast zu anderen Stadtteilen mit viel Security und meterhohen Zäunen. Anschließend sind Cindy und Daniel noch mit ins Sneha Care Home gekommen und wir haben eine kleine Tour durch das Gelände und die Schule gemacht, damit sie einen Eindruck von meinem Projekt bekommen konnten.