Christmas in India

Weihnachten in Indien? Feiert man das überhaupt? Diese Frage wurde mir im Dezember sehr häufig gestellt. Fakt ist, der christliche Gesamtbevölkerungsanteil liegt in Indien bei 2,3 %, was etwa 24 Millionen Einwohnern entspricht (Stand 2001). Im Süden Indiens, vor allem im Bundesstaat Kerala, leben vergleichsweise viele Christen. Trotz des relativ geringen Anteils Christen in ganz Indien, ist der 25. Dezember ein nationaler Feiertag. Da das Sneha Care Home einen katholischen Träger hat, wurde natürlich auch hier bei uns Christi Geburt entsprechend gefeiert und das nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach.

Bei Sonnenschein und tagsüber bis zu 30 °C Außentemperatur war es teilweise schwierig zu realisieren, dass der Sommer längst vorbei ist und Weihnachten vor der Tür steht. Für mich gehört eben zu dieser Jahreszeit auch Kälte und Schnee dazu. Allerdings habe ich mich auch schon so sehr an das Klima hier gewöhnt, dass ich gelegentlich morgens oder abends schon etwas gefroren habe. Abgesehen vom Wetter hatte die Adventszeit sowie das Weihnachtsfest hier überraschende Ähnlichkeit mit meinen Traditionen in Deutschland, sodass trotzdem Weihnachtsstimmung auf kam.

Das erste eindeutige Anzeichen für die Adventszeit waren große Sterne und Lichterketten, die auf dem gesamten Campus verteilt aufgehängt wurden. Bei den Lichterketten war wieder zu erkennen, dass hier vieles farbenfroher als in Deutschland ist. Los gingen die Feierlichkeiten dann am 15. Dezember mit der „Starry Night“. An diesem Abend wurden alle Unterstützer, Sponsoren und Mitarbeiter ins Sneha Care Home eingeladen. Die Kinder haben für diesen Abend wochenlang Tänze und Lieder einstudiert, die sie auf einer großen Bühne vor mehreren Hundert Zuschauern aufführten. Vor dem großen Abendessen kam Santa Claus (alias Julia) vorbei, um jedem Merry Christmas zu wünschen. Allerdings wurde sie an ihrer Stimme von einigen Kindern erkannt. Wir haben natürlich alle vehement bestritten, dass es sich um Julia gehandelt hat, sondern um den richtigen Santa…

Am 17. Dezember stand die Weihnachtsfeier für alle Mitarbeiter des Snehadaan Campus an. Im Vorfeld haben wir schon mit Losen unseren Christmas Friend gezogen, für den wir ein Geschenk besorgen mussten (also wie Wichteln). Nach einigen Tanz- und Gesangseinlagen der Mitarbeiter, musste jeder nach vorne gehen und seinen Christmas Friend aufrufen. Dies hat sich teilweise sehr witzig gestaltet, weil manche Mitarbeiter nicht einfach den Name ihres Friend gesagt haben, sondern die Person beschrieben haben und alle anderen raten mussten. Ausgepackt wurden die Geschenke allerdings nicht an diesem Abend, dies hat jeder später für sich gemacht. Abschluss dieser Feier war ein leckeres Abendessen, bei dem gegrillt wurde (und um dieses Vorurteil auszuräumen: es gab auch Rindfleisch).

Am 19. Dezember war der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien, die bis zum 5. Januar andauerten.

Auch unter den Kindern wurden Christmas Friends gezogen, für die sie kleine Geschenke gebastelt und gemalt haben oder zu denen sie besonders nett waren. Der 23. Dezember hat mit dem Aufstellen des überdimensional großen Weihnachtsbaums begonnen. Dieser bestand aus einem etwa 5 m hohem Metallgestell, um das bunte und glitzernde Folie (ähnlich wie Lametta) sowie Lichterketten gebunden wurden. Auch eine Grippe haben die Kinder gebaut, die vor dem Sneha Care Home aufgestellt wurde. Danach haben wir Geschenke für die Kinder eingepackt, also 98 Geschenke, was uns eine Zeitlang beschäftigt hat. Unter anderem haben alle Kinder neue Monkeycaps bekommen. Monkeycaps sind quasi Mütze und Schal in einem, was die Kinder besonders warm halten soll. Am Abend des 23. fand dann die Weihnachtsfeier für die Kinder statt, bei der sie die Geschenke bekamen und ihre Christmas Friends beschenkt haben.

Am 24. stand dann erneut das Einpacken von 98 Geschenken an. Diesmal waren es allerdings die Geschenke, die die Kinder von uns vier Volunteers bekommen haben. Abends stand die Mitternachtsmesse auf dem Programm. Für diesen Anlass haben Lena, Julia und ich uns natürlich besonders in Schale geworfen: Wir haben alle drei unsere Sarees getragen, den uns eine der Mitarbeiterinnen wieder angezogen hatte. In der Kirche hat uns eine Grippe der etwas anderen Art erwartet: Anstatt einem Stall war die Grippe als Lotusblüte dargestellt (Der Lotus ist die Nationalblume Indiens). Ansonsten war der Gottesdienst so, wie man ihn an Heiligabend auch in Deutschland gewohnt ist. Sogar Silent Night wurde gesungen. Nach der Messe haben noch alle zusammen Weihnachtslieder gesungen und es gab einen Mitternachtssnack im Snehadaan. Aber damit nicht genug: Anschließend sind wir mit den Kindern noch ins Sneha Care Home, wo wir bei lauter Musik getanzt haben, bis schließlich alle gegen 1 Uhr ins Bett gefallen sind (normalerweise gehen die Kinder um 21 Uhr schlafen).

An Weihnachten im Saree

An Weihnachten im Saree

Geschenke, Geschenke, Geschenke

Geschenke, Geschenke, Geschenke

Aufstellen des Weihnachtsbaums

Aufstellen des Weihnachtsbaums

Die Lotus-Grippe und neue Monkeycaps der Kinder

Die Lotus-Grippe und neue Monkeycaps der Kinder

Im Saree vor dem Weihnachtsbaum

Im Saree vor dem Weihnachtsbaum

Der 25. hat für uns mit dem erneuten Anziehen des Sarees begonnen. Nach dem Frühstück ging es wieder zur Messe. Zum Mittagessen haben sich alle Kinder, Mitarbeiter sowie ein paar Patienten im Snehadaan eingefunden. Natürlich gab es auch wieder einen Kuchen, der feierlich von mehreren Personen angeschnitten wurde. Nachmittags haben wir dann noch unsere Geschenke an die Kinder verteilt, womit der Weihnachtsmarathon für uns beendet war.

Natürlich war ich auch etwas traurig darüber, an Weihnachten nicht bei meiner Familie in Deutschland sein zu können. Aber meine indische Familie mit 98 Kindern hat sehr gut dafür gesorgt, dass kein Heimweh aufkommen konnte.

Natürlich war ich auch etwas traurig darüber, an Weihnachten nicht bei meiner Familie in Deutschland sein zu können. Aber meine indische Familie mit 98 Kindern hat sehr gut dafür gesorgt, dass kein Heimweh aufkommen konnte.

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