Die große Reise in den Norden

Obwohl ich in erster Linie zum Arbeiten nach Indien gekommen bin, habe ich natürlich auch hier Urlaubstage. Von meiner Organisation FSL India aus haben wir offiziell 18 Urlaubstage, die wir innerhalb der 11 Monate frei nutzen können. Allerdings können wir auch an Wochenenden und Feiertagen „vorarbeiten“, wodurch wir zusätzliche Urlaubstage gutgeschrieben bekommen.

Anfang Februar war es dann so weit: Meine große Reise in den Norden begann. Mit meinem vollgepackten Backpack ging es im Sneha Care Home nach einem traurigen Abschied von den Kindern los (Wie soll es nur werden, wenn ich nach Deutschland zurück muss??) zum Flughafen in Bangalore.

First destination: Indiens Hauptstadt DELHI. Am Flughafen in Delhi hat sich dann nach und nach meine „Reisegruppe“ zusammengefunden. Laura ist bereits mit mir zusammen ab Bangalore geflogen, Hendrik kam kurze Zeit später und Lou, die an einem anderen Gate angekommen war, haben wir nach einigen Versuchen auch zu uns gelotst. Dann ging es mit dem Taxi vom Flughafen aus in die Innenstadt von Delhi, wo wir uns zunächst ein Hotel gesucht haben. Am Abend haben wir die Umgebung unseres Hotels erkundet, praktischerweise waren wir direkt im Zentrum einer der vielzähligen Bazare. Zum Abendessen gab es dann verschiedene Leckereien von Straßenständen, die wir ausgetestet und für extrem gut befunden haben. Am nächsten Tag stand das Red Fort, eine der vielen Sehenswürdigkeiten Delhis, auf unserem Plan. Auf dem Weg dorthin haben wir Lea kennen gelernt, die nur einen Tag zuvor aus Deutschland angereist war und mit uns den Rest des Tages unterwegs sein würde.

Red Fort

Red Fort

Das Red Fort besteht aus dicken, roten Sandsteinmauern mit den Türmen und ist seit 2007 als Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt. Nach dem Mittagessen ging es weiter zur Jama Masjid, indiens größter Moschee. Schon von weitem ist das rot-weiße Bauwerk, welches auf einem Hügel steht, sichtbar. Im Innenhof finden bis zu 25.000 Gläubige Platz. Gekrönt wird der Innenhof von drei zwiebelförmigen Kuppeln aus Marmor. Leider dürfen dort keine Bilder gemacht werden, aber immerhin können auch Frauen herein, sobald sie ihren Kopf etwas bedecken.

Mit Kopfbedeckung in die Moschee

Mit Kopfbedeckung in die Moschee

Nach einer kleinen Shoppingtour auf einem der Bazare (Einkaufen benötigt in der Regel immer mehr Zeit, als wir es in Deutschland gewohnt sind. Minutenlang um den Preis verhandeln ist hier ganz normal und bereitet mir mittlerweile sehr viel Spaß), sind wir dann noch mit Lea zusammen in einem der Roof-Top-Restaurants essen gegangen.

An unserem nächsten Tag in Delhi (und auch schon letzten) sind wir nach dem Frühstück los zur Metro-Station. Zu meiner Überraschung war die Metro nicht nur äußerst modern, sondern auch sehr übersichtlich, sodass wir keine Probleme hatten (trotz umsteigen), unseren Weg zu finden. Unser eigentliches Ziel war das Bahai House of Warship oder aufgrund seiner Architektur auch Lotustempel genannt.

Der Lotustempel

Der Lotustempel

Dummerweise hatten wir nicht darauf geachtet, welcher Wochentag es war und ausgerechnet montags hatte der Tempel geschlossen. So konnten wir den Tempel nur von außen bestaunen. Auf unserem Weg kamen wir allerdings auch an einem ISKCON-Tempel vorbei, der nicht nur beeindruckend, sondern auch  geöffnet war. Auf dem Rückweg haben wir noch warme Socken für die Zugfahrt gekauft (in Delhi ist es Anfang Februar noch wesentlich kälter als wir es aus dem Süden Indiens gewohnt waren), ein spätes Mittagessen in der German Bakery eingenommen und sind dann per Metro los zum Bahnhof.

Um 4.00 Uhr morgens kamen wir in der nächsten Stadt an: JAIPUR. Um die Zeit zu überbrücken bis wir auf Hotelsuche gehen konnten, haben wir uns in einem Cafe/Restaurant im Bahnhof niedergelassen und jede Menge Kaffee und Chai getrunken. Nach dem Einchecken im Hotel sind wir richtig Innenstadt gelaufen.

Eines der Stadttore in Jaipur

Eines der Stadttore in Jaipur

Auf dem Weg haben wir ein Indian Coffee House entdeckt, die es in ganz Indien gibt. Hier ist das Essen nicht nur sehr preiswert, sondern auch äußerst lecker. Anschließend haben wir die Old City mit zahlreichen Märkten und Geschäften sowie dem Stadtpalast Hawa Mahal besichtigt. Auf der Straße wurden wir als „Touristen“ ständig angesprochen, was uns durch unseren Schlafmangel nach einiger Zeit genervt hat. Daher haben wir beschlossen, ins Kino zu gehen. Allerdings war das nicht irgendein Kino. Es war das schönste Kino, was ich jemals gesehen habe. Die Eingangshalle erinnert eher an einen Theatersaal oder an den Eingang eines 5 Sterne Hotels, mit unzähligen Kronleuchtern und extrem aufwändiger Einrichtung. Gezeigt wurde ein aktueller Hindi-Film „Dolly Ki Doli“, den wir gut verstanden haben, obwohl niemand von uns (außer ein paar Worten) Hindi spricht und der Film keinen Untertitel hatte.

Am nächsten Morgen hieß es direkt nach dem Frühstück schon wieder Sachen packen, da wir nur eine Nacht in Jaipur eingeplant hatten. Zunächst ging es aber mit einer Rickshaw zum Fort Jaigarh, wo sich nicht nur die größte jemals gebaute bewegliche Kanone auf Rädern befindet, sondern man auch einen atemberaubenden Blick auf ganz Jaipur und Umgebung hat, da das Fort sehr hoch auf einem Berg gelegen ist.

Ausblick vom Fort

Ausblick vom Fort

Während der Fahrt sind uns zahlreiche Kamele begegnet, wofür Rajasthan (der indische Bundesstaat, in dem sich Jaipur befindet) bekannt ist. Außerdem befand sich auch der Jai Mahal Palace, der Wasserpalast, auf unserem Weg. Dieser Palast war die Residenz des letzten Maharajas von Jaipur und wird heute als Hotel betrieben. Der gesamte Palast ist von Wasser umgeben.

Am Fort Jaigarh angekommen, war uns dann auch klar, warum Jaipur auch die pinke Stadt genannt wird: Das Fort besteht aus pinkem (naja, eigentlich eher rosa) Sandstein. Bei dem Fort (wie auch an vielen anderen Orten in Indien) befinden sich viele Affen. Darunter musste leider Hendriks Eis leiden, dass einem der Affen zum Opfer gefallen ist. Wenn man die ersten Male Affen sieht, finden die meisten sie sehr spannend und machen dutzende Fotos von ihnen. Mit der Zeit zeigt sich allerdings, dass man diese scheinbar so niedlichen Tiere mit etwas Vorsicht genießen muss: Wenn sie etwas haben möchten, bekommen sie es meistens auch. In der Regel handelt es sich dabei zum Glück nur um essbares, aber man sollte in ihrer Anwesenheit trotzdem immer gut auf seine Taschen aufpassen. Nach Besichtigung des Forts haben wir unser Gepäck im Hotel abgeholt und sind weiter zum Bahnhof gefahren.

Der Wasserpalast

Der Wasserpalast

Am Abend kamen wir mit etwas Verspätung in AGRA an, unserer dritten Destination. Nachdem wir ein paar Stunden in einem Hotel geschlafen hatten, sind wir morgens früh schon wieder los, um den Sonnenaufgang an einem ganz besonderen Ort zu sehen, dem TAJ MAHAL. Pünktlich zur Öffnung des Ticketschalters standen wir bereit, um unter den ersten Besuchern zu sein, bevor die großen Touristenströme ankommen würden. Bevor man den Taj Mahal jedoch sehen kann, geht man zunächst durch große Gärten und ein Eingangsgebäude hindurch. Doch dann kommt dieses unglaubliche Bauwerk hinter einem zweiten, 18 Hektar großen Garten mit länglichen Wasserbecken im Zentrum in Sicht. Das Taj Mahal ist ein Mausoleum, welches 58 Meter hoch und 56 Meter breit ist und auf einer 100 × 100 Meter großen Marmorplattform errichtet wurde. Der Großmogul Shah Jahan ließ ihn zum Gedenken an seine im Jahre 1631 verstorbene große Liebe Mumtaz Mahal erbauen. Er wurde 1983 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen und zählt zu einem der „neuen sieben Weltwunder“. Durch Harmonie seiner Proportionen und seiner Symmetrie ist es ein atemberaubendes architektonisches „Wunder“ und selbst wenn man direkt davor steht, sieht es doch irgendwie unwirklich aus. Für mich war es definitiv eines der Highlights unserer Reise und ich finde den Besuch absolut empfehlenswert.

Eingangsgebäude zum Taj Mahal

Eingangsgebäude zum Taj Mahal

Wie im Märchen - der Taj Mahal

Wie im Märchen – der Taj Mahal

Der Taj Mahal Express vor dem Taj Mahal

Der Taj Mahal Express vor dem Taj Mahal

Nach einer kurzen „Besichtigung“ des Agra Forts, ging es abends schon wieder zum Bahnhof. Am nächsten Morgen kamen wir in VARANASI an. Varanasi liegt am Ganges und gilt für Hindus als heiligste Stadt. Für strenggläubige Hindus ist es besonders erstrebenswert, in Varanasi im Ganges zu baden und nach dem Tod dort verbrannt zu werden. Ein Bad im Ganges soll von Sünden reinigen, hier verbrannt zu werden, soll zum Ausbruch aus dem ständigen Kreislauf der Wiedergeburt führen. An den Ufern des Ganges befinden sich die Ghats, an denen an manchen Stellen Gläubige im Wasser baden und wenige Meter daneben die Leichen der Verstorbenen verbrannt werden. Die Asche wird anschließend ins Wasser gestreut.

Außerdem gibt es in Varanasi unzählige Tempel und religiöse Stätten, u.a. den Vishwanath-Tempel („Goldenen Tempel“), den auch wir besucht haben. Die ganze Stadt besteht aus kleinen Gassen, in denen man sich leicht verlaufen kann. An einem Abend haben wir eine Bootstour während des Sonnenunterganges auf dem Ganges gemacht, von wo aus wir auch einige religiöse Zeremonien beobachten konnten. Varanasi ist eine sehr beeindruckende Stadt, an der es nicht nur entlang des Ganges viel zu sehen und bestaunen gibt.

Varanasi bei Sonnenuntergang

Varanasi bei Sonnenuntergang

Varanasi vom Wasser aus

Varanasi vom Wasser aus

Die nächste Destination auf unserer Reiseroute war DARJEELING. Da es jedoch keine direkte Busverbindung von Varanasi nach Darjeeling gibt, hatten wir zunächst einen Zwischenstopp in New Jalpaiguri. Dort haben wir auch übernachtet, weil wir den ganzen Tag über Zug gefahren sind und es abends zu spät war, um noch weiter nach Darjeeling zu fahren. Das Zugfahren ist allerdings auch für einen ganzen Tag nicht unbedingt unangenehm. Ständig kommen Verkäufer vorbei, die preiswert Essen und Getränke verkaufen, sodass man nicht Essen für die ganze Fahrt mitnehmen muss. Am nächsten Morgen ging es während einer etwa 3-stündigen Fahrt mit dem Jeep weiter nach Darjeeling. Darjeeling liegt am Fuße des Himalayas auf einer Höhe von 2185 m. Dort wird neben Englisch vor allem Nepali gesprochen, da es nahe an der Grenze zu Nepal liegt. Im Februar liegt dort die durchschnittliche Temperatur bei etwa 11 °C. Dementsprechend war uns sehr kalt, aber nach etwa einem Tag gewöhnt man sich langsam an den Temperaturunterschied. Besonders bekannt ist Darjeeling für seinen hochwertigen Tee, der in die ganze Welt exportiert wird. Schon bei der Fahrt in die Stadt konnten wir die wundervolle Umgebung genießen, die von Teeplantagen beherrscht wird. Obwohl in Darjeeling direkt kein Schnee liegt, hatte ich während unseres Aufenthaltes dort das Gefühl, im Skiurlaub zu sein. Nachdem wir an unserem ersten Tag die Stadt erkundet hatten, hieß es am zweiten Morgen früh aufstehen: Um 4.00 Uhr hat uns ein Taxi abgeholt mit dem wir zum Tiger Hill gefahren sind, um von diesem Berg aus den Sonnenaufgang zu bewundern. Das frühe Aufstehen hat sich auch gelohnt. Auf der einen Seite des Berges konnte man den Sonnenaufgang sehen, während man den Mount Everst im Rücken hatte.

Sonnenaufgang auf dem Tiger Hill mit tibetischen Gebetsfahnen

Sonnenaufgang auf dem Tiger Hill mit tibetischen Gebetsfahnen

Auf dem Rückweg hatten wir noch einen Stopp beim Thupten Sangha Chöling, einem großen tibetischen Kloster, das sehr bunt verziert ist und viele monumentalen Statuen hat. Nach kurzem Ausruhen im Hotel sind wir in den Padmaja Naidu Himalayan Zoological Park, in dem es u. a. rote Pandas und Schneeleoparden gibt. Außerdem befindet sich das Himalayan Mountaineering Institute (ein Museum über den Himalaya und die Bergsteigerei) in diesem Zoo. Am Nachmittag sind wir mit dem Darjeeling Himalayan Railway gefahren, der auch „Toy Train“ genannt wird, da es sich um eine Schmalspurbahn handelt. Noch heute wird diese Bahn von einer Dampflokomotive betrieben und dient eher als Touristenattraktion und weniger zur reinen Fortbewegung.

Wandmalerei des tibetischen Klosters

Wandmalerei des tibetischen Klosters

An unserem letzten Tag in Darjeeling waren wir in einer Bäckerei frühstücken, die u. a. europäische Leckereien wie Zimtschnecken oder Baguette im Angebot hatten. Auch wenn wir uns alle längst an indisches Frühstück gewöhnt haben (meiner Meinung nach ist das die beste Mahlzeit des Tages), ist es trotzdem ab und zu schön, etwas anderes zu essen. Gut gestärkt ging es dann dorthin, wofür Darjeeling bekannt ist: die Teeplantagen. Zunächst sind wir durch die riesigen Plantagen gewandert, anschließend gab es frisch verpackten Tee direkt an der Plantage zum Trinken und auch verpackt zum Mitnehmen. Natürlich haben wir bei dieser Gelegenheit zugeschlagen. Am Nachmittag haben wir uns in einem der vielen Teahouses niedergelassen und sind danach wieder mit dem Jeep nach New Jalpaiguri, von wo aus abends unser Zug ging. Darjeeling war wohl die ruhigste und erholsamste Station unserer Reise. Ein großer Pluspunkt war definitiv das geringe Verkehrsaufkommen und die Tatsache, dass man dort weder angestarrt noch ständig von Verkäufern angesprochen wird.

Ein roter Panda

Ein roter Panda

Werbung für Tee aus Darjeeling

Werbung für Tee aus Darjeeling

Pflücken der Teeblätter ist für Besucher verboten

Pflücken der Teeblätter ist für Besucher verboten

Nun stand bereits die letzte Stadt unserer Reise an: KOLKATA (Kalkutta). Kolkata war das komplette Kontrastprogramm zu Darjeeling und wahrscheinlich genau so, wie man sich Indien vorstellt, bevor man jemals hier war: laut und überfüllt. Dies heißt natürlich nicht, dass es nicht auch dort schöne Plätze gibt. Eine der schönsten Ecken der Stadt ist das Victoria Memorial aus weißem Marmor mit sehr großen, schön gestalteten Gärten und Wasserläufen. Ganz in der Nähe befindet sich die St. Paul’s Cathedral, die definitiv einen Besuch wert ist. Mit Kolkata habe ich persönlich immer Mutter Teresa in Verbindung gebracht. Sie ist eine Ordensschwester mit albanischer Herkunft und indischer Staatsbürgerschaft, die durch ihren Dienst für Arme und Kranke bekannt geworden ist, wofür sie den Friedensnobelpreis erhalten hat. Am 5. September 1997 ist sie in Kolkata gestorben. Das Haus, in dem sie gelebt und gearbeitet hat, wird weiterhin von Ordensschwestern betrieben und zählt zu den Sehenswürdigkeiten in Kolkata. Außerdem gibt es in Kolkata noch viele interessante Kunstmuseen sowie Bazare zum ausgiebigen Shoppen. An unserem dritten Tag in Kolkata stand schon unser Rückflug nach Bangalore bevor.

Das Victoria Memorial

Das Victoria Memorial

Leider gingen diese 14 Urlaubstage viel zu schnell vorbei, besonders da wir so viele Städte in kurzer Zeit auf unserer Reiseroute hatten. Generell unterscheiden sich der Norden und der Süden Indiens stark voneinander: Kultur, Speisen, Menschen und natürlich die Sprachen. Allerdings gleicht in ganz Indien keine Stadt der anderen und an jedem Ort verschiedene Facetten zu erkunden.

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4 Gedanken zu „Die große Reise in den Norden

  1. Ein straffes Programm für 14 Tage, aber die Eindrücke bleiben dir ein Leben lang.Kalkutta werde ich auch nie vergessen, weder Gerüche noch Geräusche. Auch das Baden und waschen im Ganges und die Verbrennungen gleich daneben sind für uns sehr gewöhnungsbedürftig. Genieße weiterhin deine Zeit in Indien und nimm mit, was geht.

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